Die Autobahn der Lust

“Die Autobahn

der Lust

ist

Abgefahren!”

Fulminanter Titel eines lustvollen Werkes: Wagnis, Waage, Aszendent Molch – Stuntgirl der Lyrik. Eichstädt. Ein kurzer, ein prägnanter Name, der erst auf den zweiten Blick erahnen lässt, welch edler Schatten ihm folgt.

Konnotation mit dem pommerschen Hochadel lässt den Atem stocken; ein Trick, der schon manch einen Leser vor der Lektüre in der Notaufnahme enden ließ.

Ja – Eichstädt macht das Atmen schwer, Eichstädts Worte lasten auf der Brust und gelegentlich auch auf dem kleinen Raum zwischen Nacken und linkem Schulterblatt wie ein wohlig quälender Fluch, der entfernt an Raab und Hedwig Courths-Mahler erinnert, eine gelungene Mischung, die totale Vereinigung zwischen roher, zuweilen ungezügelter Manneskraft und behutsam-femininer Herzenswärme.

Es ist die Fahrt auf der Autobahn, die uns ins Geschehen wirft – wohin geht die Fahrt, wohin führt , ENT-führt Eichstädt uns? Das Rätsel löst sich spätestens beim Wort “Lust” – wir fahren ins Pommernland. Nach dem damaligen Brand von 1915 (als Urgrossvater Eichstädt aus Schmerz über die Untreue seiner Frau den Schweif seines Lieblingspferdes B. in Brand setzte und somit große Teile der einst so lieblichen Landschaft in Schutt und Asche legte) hat sich in Pommern viel getan. Bäume wuchsen wieder, Vögel jubilierten, auch die Menschen vögelten wieder; und eine neue Generation wuchs heran, die sogenannten Pommerschen, unter ihnen die Rügenwalder, Könige der Rauchwurst, wobei wir wieder bei den stark erotischen Elementen Eichstädts angelangt wären. Wir verlassen die Autobahn und geben uns ganz der Lust hin. Abgefahren. Einfach abgefahren. Nach ausgiebigem Gruppensex mit 20 Rügenwaldern und 30 Würsten machen wir uns satt und zufrieden auf den Heimweg. Nächstes Jahr fahren wir wieder hin. Denn weshalb in die Ferne schweifen, ist der Rügenwalder nah? Schließlich heißt es nicht umsonst:

“Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.”