Ostzone

Wann
fallen
die
Bananen

endlich
vom Himmel?

Nun, die Banane per se, die östlich gebogene Frucht, gilt schon in der Antike und weit vor Jesus, ganz zu schweigen von den Neanderthalern, als Herzstück der Männlichkeit. Und ist es da weiter verwunderlich, dass die Banane im letzten Jahrhundert zum Symbol von Entsagung in der Zone wurde? Nein, sage ich, nein; es ist nicht verwunderlich. Denn trotz der stark uniformierten, sprich: männlich orientierten Zone war der Inhalt dieser starren Uniformen leblos, ja ich behaupte sogar „entmannt“ und deshalb, gerade deshalb, nach der Frische der sonnengelben, WESTLICH gebogenen Banane trachtend, während die östliche, grün, roh und ungenießbar in der Militärhose verrottete. Das Wort „verrotten“ wähle ich bewußt, dadieweil sich in dieser harten semantischen Abfolge nicht von ungefähr, ja nicht von ungefähr das Wort „rot“ verbirgt, Sinnbild der damaligen Zone, bekannt aus der Antike, bei den Neanderthalern und nicht zuletzt, nein nicht zuletzt auch aus Film und Fernsehen.

„Fallen“, „Banane“, „Himmel“ – diese drei Worte Eichstädts springen dem Leser sozusagen ins Gesicht – die Wucht der Worte wirkt zuweil verletzend, will sagen – durch Fruchtfleisch blockierte Atemwege des Abendlandes, eine Zivilisationskrankheit, in der man nicht drinsteckt, nicht wir, die Bananen des Westens. Uns, insbesondere, fehlt dieser Zugang, dieses Maß des Leidens der ganz besonderen Art, das schon unsere Vorväter der Hemmschuh allen Übels war und zu kriegerischen Aktionen, Impotenz oder zu Appetitlosigkeit geführt hat.

Sie fallen also, die Bananen, die grünen, unreifen Nahrungsmittel ungepflegter Affen – und woher kommen sie? Ja, genau! Aus dem Himmel kommen sie. Und da greifen wir wieder die starke Religiosität Eichstädts auf, die ihre Gedichte durchzieht, der rote Faden der grünen Banane, Jesus‘ rotes Blut auf grüner Wiese und umgekehrt. Der Himmel bezieht sich im Osten. Mit grünen Bananen und der Hoffnung auf ein besseres Morgen. Schöner kann man es nicht sagen! Das ist Eichstädt wie sie leibt, leidet und lebt. Voll des starken Mitgefühls, wenn nicht sogar Mitleid FÜR den anderen, FÜR die grüne,ostwärts gebogene Banane und somit Sinnbild für die Ostzone. Eichstädts starkes politisches Engagement wirkt zuweil beklemmend, erzeugt Bestürzung – ein geniales Mittel, den Leser zur Selbstfrage zu zwingen: Und welche Banane bin ich? Ja, das fragen wir uns jeden Tag. WELCHE Banane bin ich? Die Antwort kennt nur Eichstädt. Sie wird uns die Auflösung des Rätsels nicht verraten. Und das ist ihr Anliegen per se, die Quintessenz ihrer starken Worte: Totale, schonungslose Selbsthinterfragung. Können SIE sich davon freisprechen? Oder umgekehrt?