Geständnis

SCHWARZ
wie die Schatten der Vergangenheit

WEISS
wie die Leere auf meinen Wänden

ROT
wie das Fieber in deinen Augen

Schneewittchen hat versagt

Schneewittchen hat versagt. Mit diesem Ende überrascht und verstört uns Eichstädt. Bewusst, klar und kompromisslos. Schneewittchen, Sinn- und Abbild unserer Adoleszenz.

Schneewittchen, Legende der Popkultur, Idol der Massen, Königin der Herzen. Doch dieses Geständnis müssen wir annehmen. Das ist die unmissverständliche Botschaft Eichstädts. Und genau da müssen wir ansetzen. Schwarz, rot, weiß. Eindeutiger Beweis der strukturierten Erzählweise Eichstädts. Doch das Entscheidende, geradezu provokant Schockierende in Eichstädts Werk besteht im radikalen Weglassen. Die sieben Zwerge. Schonungslos lässt sie das Schicksal der sieben kleinen schmierigen Gesellen im Dunkeln. Schatten der Vergangenheit. Ist dies nicht sogar ein Hinweis auf ein möglicherweise skandalöses Verbrechen? Schneewittchen nicht als Opfer, nein als Täterin? Sind wir jahrhundertelang der größten, ja, infamsten Lüge der Menschheitsgeschichte aufgesessen? Geschickt lässt Eichstädt das Dunkle in Schneewittchens Vorleben nur erahnen. Doch sollte dieser Verdacht sich erhärten, die Geschichte der Emanzipation muss tunlichst umgeschrieben werden!

Da kann ich abschließend nur sagen: Schneewittchen, es lebe hoch!